Kontakt
Rückruf anfordern
Copyright © 2010 Jerichholding | Werbeagentur Graz
16.08.2011 10:58
Wir werfen ihn einfach in die Tonne und am Ende kommt Brennstoff für Klinkersteine heraus - unter anderem. In St. Margarethen bearbeitet Müllex 120.000 Tonnen Müll pro Jahr.
Foto © Ulla Patz Altpapier und Karton sind kein Müll, sondern wertvoller Rohstoff für neue Produkte
Wer kann sich schon 800.000 Kubikmeter Müll vorstellen? Vielleicht hilft das Bild eines Wolkenkratzers mit 20 Mal 20 Metern Grundfläche - dieses würde zwei Kilometer oder 666 Stockwerke himmelwärts wachsen, würde man den Müll, der jährlich bei der Firma Müllex sortiert und aufbereitet wird, auf diese Grundfläche stopfen. Auf einer Waage bliebe der Zeiger bei etwa 120.000 Tonnen stehen. Die Hälfte davon ist Haus-, Sperr- und Gewerbemüll.
Natürlich sammelt sich niemals so viel Müll auf einmal am Firmengelände in St. Margarethen an der Raab. Denn was angeliefert wird, wird sortiert, zerkleinert und an die Endverbraucher weitergeliefert.
Da wäre einmal der Hausmüll: Er wird geschreddert, Asche und Erde abgesiebt, dann holt sich ein Magnet die Metalle heraus. Bei der nächsten Station geht es stürmisch zu, der Windsichter bläst leichte Papierschnitzel oder Folien extra heraus. Dieses Material ist besonders wertvoll. Der Rest wird weiter zerkleinert und verwertet. Das Wort "verbrannt" will Manfred Fritz, einer der beiden Geschäftsführer, in diesem Zusammenhang gar nicht gerne in den Mund nehmen. "Immerhin hat der Stoff einen Brennwert von bis zu 16.000 Kilojoule, daraus wird Strom und Wärme erzeugt. Auf noch bessere Brennwerte kommt das Material aus der Windsichtung, dort kommt man gar auf 25.000 bis 30.000 Kilojoule. Zum Vergleich: Buchenholz hat etwa 18.000 Kilojoule.
Dieser "Ersatzbrennstoff" ist federleicht und plan und wird so in Öfen eingeblasen - vor allem in der Zementindustrie und zum Brennen von Klinkersteinen wird dieses Heizmaterial geschätzt.
Verbrannt wird auch das unbehandelte Holz, das bei Müllex landet, dort zerkleinert und an Fernheizwerke geliefert wird. Möbel, Fenster, jedes behandelte Holz wird geschnitzelt und geht in die Spanplattenindustrie. Kunststoffe wie PVC und Metalle kommen ebenfalls zur Wiederverwertung. "Müll ist ein Geschäft", sagt Fritz und meint damit nicht nur das eigene Unternehmen, sondern auch den Müll als Rohstoff für neue Produkte.
Schon eine Legende ist die Geschichte der Firmengründung von Müllex. Ende der 1970er-Jahre hatte noch jede Gemeinde ihre Deponie, die Bürger warfen kreuz und quer Kühlschrank oder Restmüll hinein. Aber dann baute Markt Hartmannsdorf eine Deponie, eine große für mehrere Gemeinden. Der Frächter Josef Maier hatte im Gasthaus davon reden gehört und holte Friedrich Jerich ins Boot. Mit zwei weiteren Frächtern boten sie der Gemeinde an, Müll aus der Umgebung nach Markt Hartmannsdorf zu karren - ohne Mülltonnen zu haben, ohne Erfahrung, ohne Geld. Mülltonnen kauften sie auf Kredit, die Erfahrung kam mit der Zeit.
Unterstützt wurden sie vom damaligen Markt Hartmannsdorfer Bürgermeister Hermann Zoller. "Er schlug den Namen Müllex vor, weil er Latein konnte und meinte, das ,ex' nach Müll würde gut passen", erzählt Manfred Fitz, Geschäftsführer von Müllex. "Und weil Zoller auch eine Nähe zur Kirche hatte, sagte er, wir sollten die Autos violett anmalen." Violett ist in der katholischen Kirche das Sinnbild für Übergang und Verwandlung.
Heute gehört das Unternehmen allein Friedrich Jerich. Und auch wenn sich der Unternehmer altersmäßig längst in den Ruhestand absetzen könnte, ist er jeden Morgen bei Müllex, um danach in die Frächterei zu fahren.